26.03.2018

Tierwohl und Emissionsschutz sind ohne gegenseitige Kompromisse nicht miteinander zu vereinbaren

Am 12. März fand im Congress Center der Messe Erfurt der 22. Thüringer Milchtag statt. Organisiert von der Landesvereinigung Thüringer Milch e.V. und dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, ist er heute eine feste Größe im Kalender vieler Milcherzeuger, so dass sich auch diesmal rund 300 Gäste einfanden.

Auch 32 Firmen folgten der Einladung, um Ihre Produkte und Leistungen rund um das Thema Milchprodukte zu präsentieren und mit den Landwirten ins Gespräch zu kommen. Auf voll besetzten Rängen verfolgte man die Vorträge der Referenten, welche unter dem Thema „Tierwohl in der Milchviehhaltung“ standen. Nach den Ausführungen von Andreas Gorn (AMI GmbH) zum Milchmarkt machte sich auf vielen Gesichtern Ernüchterung breit. Im Jahr 2018 könne man aufgrund der wieder gestiegenen Produktion nicht mit vergleichbar hohen Preisen wie noch 2017 zu rechnen. Auch die Anlieferung ist auch einem hohen Niveau, was das Risiko weiterer Preisrückgänge noch verstärke, so Gorn. Zudem müsse weiterhin damit gerechnet werden, dass sich die Eiweißpreise nicht erholen, während die Fettpreise überdurchschnittlich hoch bleiben werden, was die Auszahlungspreise der Molkereien weiterhin in Abhängigkeit von der jeweiligen Produktpalette beeinflussen dürfte. Nach Prognosen der AMI GmbH ist mit einem anhaltenden Abfall der Preise auf 30 ct/kg Milch bis Mai zu rechnen. Der Milchmarkt und die Produzenten werden also auch zukünftig einem hohen Druck ausgesetzt sein. Auch von Verbraucherseite und Politik werden immer wieder Rufe nach Nachhaltigkeit und Tierwohl laut. Prof. Dr. Urban Hellmuth von der Fachhochschule Kiel wies in diesem Zusammenhang auf den Zielkonflikt zwischen Klima- und Umweltschutz auf der einen und Tierwohl auf der anderen Seite hin, mit dem sich Landwirte, die sich mit dem Gedanken eines Stallneubaus tragen, zunehmend auseinandersetzen müssen. Oftmals sind es gerade Funktionsbereiche, die sich negativ auf die Emissionswerte auswirken, die dem Tierwohl zugutekommen: So können z.B. die niedrigsten Emissionswerte im Anbindestall realisiert werden. Auch Faktoren wie wärmegedämmte Bauhüllen mit Zwangslüftung (Ventilatoren) oder Mehrraumlaufställe mit separaten erhöhen die Emissionen deutlich. Insgesamt lässt sich beobachten, dass die Lachgasemissionen aus der Landwirtschaft in den letzten Jahren kaum reduziert werden konnten, während es in Industrieprozesse gelang, die Emissionen deutlich abzusenken. Den größten Anteil der Lachgasemissionen werde durch direkte Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden versursacht, gefolgt von Emissionen von Wirtschaftsdüngern aus der Tierhaltung. Ein weiterer Höhepunkt des Milchtages war die Auszeichnung von Milcherzeugern, dessen Ablieferungsmilch besonders hohen Qualitätsansprüchen gerecht wurde. Kriterien hierfür waren z.B., dass die Keimzahl bei keiner Monatsbewertung über 15.000 Keimen/ml und die Zellzahl über 175.000 Zellen/ml liegen durfte. Auch in diesem Jahr bewies die große Resonanz, dass die Milcherzeuger den Thüringer Milchtag gerne nutzen, um ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Auch wenn den Erzeugern nicht die Sorge über die Zukunft der Milchproduktion genommen werden konnte, gibt die Veranstaltung neue Impulse und Anregungen und zeigt die Bedeutung der Milchproduktion für Thüringen. Die Organisatoren hoffen daher auch im nächsten Jahr, auf regen Zuspruch, in der Hoffnung, dann wieder eine besser wirtschaftliche Lage für die Milchproduzenten prognostizieren zu können.

Anne Byrenheid - TBV

 

Die Vorträge vom 22. Thüringer Milchtag können Sie auf Anfrage bei Beatrice Müller (0361/26253260) oder lvtm@tbv-erfurt.de erhalten.